Auf den Spuren der jüdischen Baumeister Stöckel in Friedenau
Als der Verein Denk mal an Berlin e.V. das Grabmal des berühmten Theaterkritikers, -schriftstellers und -intendanten Oscar Blumenthal auf dem Jüdischen Friedhof in Weissensee restaurieren liess, weckte das benachbarte, völlig zerfallene und zerbrochene Grab eines Unbekannten den Wunsch, mehr über den hier begrabenen herauszufinden.
Im Archiv des Friedhofs stellte sich dann anhand der Karteikarte heraus, dass es sich um Moritz Stöckel, Baumeister aus Friedenau handelte. Sein Bruder Siegmund, ebenfalls Baumeister aus Friedenau und ebenfalls in der dortigen Fregestrasse ansässig, hatte die Beerdigung angemeldet. Die Neugierde angesichts dieser völlig unbekannten "Baumeister" war geweckt. Dr. Elisabeth Ziemer wühlte sich durch Hunderte von Seiten alter Adressbücher, die schliesslich eine satte Ausbeute ergaben: mindestens 57 Wohnhäuser waren von den beiden - jeder hatte sein eigenes Baugeschäft - in Friedenau gebaut worden. Nachdem die Adressen erforscht waren, meldete sie sich im Bauaktenarchiv Schöneberg zur Durchsicht der diesbezüglichen Akten an und verbrachte bei den äußerst hilfsbereiten und sympathischen Archivmitarbeitern Frau Freyer und Herrn Green die nächsten Monate.
Durch diese Sisyphosarbeit konnten die Daten der Adressbücher korrigiert und viele interessante Details über die Bauanträge, das System der beteiligten Verwaltungen, die Baufortschritte, Handwerker, Verkäufe und Eigentümer gewonnen werden. Sie flossen in den von Esther Stenkamp für den Verein erstellten Actionbound ein.
Der kostenlose Actionbound wird zunächst als app heruntergeladen, dann der spezielle Actionbound "Die jüdischen Baumeister Stöckel" gesucht und los kann es auf der Tour gehen - allein oder in Gruppe. Neben den Informationen über die Stöckels und ihr und ihrer Familien Schicksal gibt es auch interessante Einblicke ins Baugeschehen, in Stile und Zeitungen der Zeit.
Zu Beginn der Route wird Frau Stenkamp, selbst Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin, die App und ihre Handhabung erklären.
Zeit: Samstag, 6. Juni 2026, 15-17 Uhr
Ort: Startpunkt ist der U-Bahnhof Friedrich-Wilhelm-Platz, Ausgang Schmargendorfer Strasse
Kosten: Für Mitglieder ist die Führung kostenlos, Gäste bitten wir um eine Spende von 15 €
Bitte anmelden unter: mail@denk-mal-an-berlin.de
Zeichnung ©Stepan Ueding / Foto der Rheinstr. 17 ©Thomas Knoll / Foto Briefkopf Moritz Stöckel ©Elisabeth Ziemer / Foto Plan Dickhardtstr. 9 ©Elisabeth Ziemer
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