Führung durch die "Intelligenzsiedlung" Erich Weinert
Eine dieser Siedlungen ist die Erich-Weinert-Siedlung in Pankow-Schönholz. Sie ist benannt nach dem kommunistischen Schriftsteller, Widerstandskämpfer und ehemaligen Präsidenten des Nationalkomitees Freies Deutschland, Erich Weinert (1890-1953). In dieser Siedlung hat er in seinen letzten Jahren gewohnt und gearbeitet.
Bettina Asmus und ihr inzwischen verstorbener Mann haben für ihre Publikation etliche Archive nach den Hintergründen der Entstehung dieser Siedlungen durchforscht. Sowohl im Bundesarchiv wie im Stasi-Unterlagen-Archiv wurden sie fündig, konnten aber auch noch in den Siedlungen wohnende Zeitzeugen befragen. Ihre Erkenntnisse geben überraschende Einblicke in Politik und Entscheidungen des Politbüros der SED, aber auch in die Bewohnerstruktur, deren politische Ausrichtung vor dem Krieg, in die Unterschiede von West- und Ost-Exilant*innen und die Frage, welche gemeinsamen Aktivitäten oder Interessen die dort Wohnenden wohl verbunden haben mögen. Dabei stellte sich heraus, dass es weniger gemeinsame Aktivitäten gab, wohl aber trafen sich viele in kleinen Kreisen, die sich nach dem gemeinsamen Exilland richteten.
Hanns Hopp (1890-1971), der von Hans Scharoun als Architekt an das Berliner Institut für Bauwesen der Akademie der Wissenschaften berufen wurde und für zwei Blöcke an der Frankfurter Allee verantwortlich zeichnete, entwarf für die Siedlungen vier Haustypen, die im Einzelfall noch individuell nach Beruf der dort Einziehenden ergänzt werden konnten.
Zielsetzung des in den Aufbaujahren der DDR erfolgten Angebots von 93 Einfamilienhäusern mit Gärten an ausgesucht schön gelegenen landschaftlichen Plätzen war das Zurückhalten von Naturwissenschaftlern, Intellektuellen und Künstler*innen von der Abwanderung gen Westen. Hochinteressant ist, dass die beiden Autoren dabei nicht nur 87 Haushalte identifizieren konnten, die hier lebten, sondern auch nach ihrer Parteizugehörigkeit, ihrem Aufenthalt vor 1945, ihren Berufen und ihrem gesellschaftlichen Leben in den Siedlungen fragten.
Erstaunliches kam dabei zutage: So hatten eine Vielzahl der Erstmieter der NSDAP angehört und nur wenige waren Rückkehrer aus dem sowjetischen Exil. Viele dagegen waren Westemigranten, wie Stefan Heym, der 1953 ein Haus beziehen konnte, wie der Maler Max Lingner, der aus Paris oder die Publizistin Irmgard Litten, die aus London zurückkehrte. Sie hatte jahrelang vergebens für die Freilassung ihres Sohnes Hans Litten gekämpft, der als Rechtsanwalt 1931 Hitler in den Zeugenstand hatte rufen lassen und dort die NSDAP als Partei demaskiert hatte, die die Weimarer Republik zerstören wollte. Das hatte 1933 zu seiner sofortigen Verhaftung und Folterung in verschiedenen KZ´s geführt. Er starb 1938 in Dachau.
Dass diese mit so unterschiedlichen Erfahrungen befrachteten Menschen in den Siedlungen eine Gemeinschaft hätten bilden wollen, ist kaum nachvollziehbar. Sie wurden vom Staat durchaus als potenziell unzuverlässig eingeschätzt und von der Stasi überwacht. Stefan Heym und seine Frau wurden z.B. von ihren Nachbarn für die Stasi bespitzelt, was die Witwe von Heym gern kommentierte, dass diese wohl mehr Angst vor ihnen gehabt hätten, als umgekehrt.
Bettina Asmus wird ihre Führung also mit viel Hintergrundwissen durchführen.
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Termin: Donnerstag, 21.5.2026, 16-18 Uhr, bitte um 15 Uhr 45 eintreffen
Treffpunkt: Bushaltestelle Heinrich-Mann-Strasse, Pankow. Man kommt dorthin mit dem Bus 150 ab S-Bahnhof Schönholz oder ab U-Bahnhof Osloer Strasse
Kosten: Für Mitglieder kostenlos, von Gästen erbitten wir einen Unkostenbeitrag von 15 €
Anmeldung: mail@denk-mal-an-berlin.de oder Tel.: 030/4508 77 17
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