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Datum: 31.03.2026 18:00 - 20:30 Termin exportieren
Elisabeth Ziemer
/ Kategorien: Ausblick

Haus Marlene Poelzig, Berlin

Marlene Poelzig, geb. Moeschke (1894-1985) liess sich zunächst in ihrer Geburtsstadt Hamburg zur Bildhauerin ausbilden, wechselte dann nach München und erhielt 1917/18 ein Atelierstipendium der Preussischen Akademie der Künste in Berlin. Hier lernte sie den Architekten Hans Poelzig kennen, mit dem zusammen und gleichberechtigt sie 1920/21 das Bauatelier Poelzig gründete, 1923 das erste von drei Kindern bekam und den sie 1924 heiratete. Mit ihrem Mann arbeitete sie an verschiedenen Bauprojekten zusammen und brachte ihre berufliche Erfahrung auch bei den Innendekorationen ein wie im Haus des Rundfunks an der Masurenallee. Hier sind ihre Leuchten im Foyer erhalten geblieben.

In Forschung Frankfurt 2/2005 beschreibt Heike Hambrock, die über die Poelzigs promovierte und den Briefwechsel der Poelzigs auswertete, wie eng die gemeinsame Arbeit der Poelzigs tatsächlich war: "Der Übergang von der flüchtigen Ideenskizze Poelzigs zur Arbeitsstudie Moeschkes war fließend. Die Bildhauerin fertigte nach den Formskizzen Poelzigs die Gips- und Tonmodelle. Anhand Poelzigs Bauanweisungen und Entwürfen für die Lichtsäulen im runden Foyer des Großen Schauspielhauses, das zum Symbolbau der Weimarer Republik und Inbegriff expressionistischen Bauens werden sollte, lässt sich nachvollziehen, wie die beiden zusammengearbeitet haben. Eine dreischiffige Markthalle verwandelten sie innerhalb eines Jahres in ein riesiges, von einer Sternenkuppel mit Zapfenreihen überwölbtes Amphitheater. Der Bau selbst erschien als eine zwischen Sakralem und Profanem schwankende, fantastische Bühnenkulisse konzipiert. Während der Bauzeit saß Poelzig, der bis 1920 eine Stelle als Stadtbaurat in Dresden innehatte, aufgrund der politisch instabilen Situation immer wieder in Sachsen fest, so dass Moeschke zusammen mit dem ersten Assistenten des Baubüros, dem so genannten »kleinen Wirth«, mitunter die Bauleitung übernehmen musste. (...) Mit Poelzigs Ruf an die Preußische Akademie erfolgte im Sommer 1921 die Trennung von der ersten Frau und endlich die offizielle Einrichtung des Bauateliers in Potsdam-Wildpark. (...) Marlene Moeschke übernahm vor allem kunstgewerbliche Aufträge und die Innenausbauten. Ihr blieb es zusammen mit den Mitarbeitern des Bauateliers zunehmend überlassen, die aus der Fantasie des Künstlers ohne Rücksicht auf Material und Zweck geschöpfte architektonische Formvision zu konkretisieren und sie über Detailskizzen, Schaubilder, Raumperspektiven und Grundrisszeichnungen in baubare Projekte zu überführen. Bei genauerem Studium der Skizzenbücher erkennt man dort auch die Handschrift der Bildhauerin. Es lässt sich daher manchmal kaum noch nachvollziehen, welche der »unwirklichen Architekturträume« (so Poelzig im Brief an Moeschke) vom Architekten selbst stammen und wie viele Marlene Moeschke oder die Assistenten für Ausstellungen, wie die Sonderschau im Rahmen der Herbstausstellung der Dresdner Künstlervereinigung 1919, überarbeiteten." (S. 73-75)

1930 bezog Marlene Poelzig mit der angewachsenen Familie ein Wohnhaus, das sie allein entworfen hatte - ein vielfach von damaligen Zeitschriften beachtetes und ausführlich beschriebenes aussergewöhnliches Projekt. Die Zeitschrift "Innendekoration" würdigte 1931 mit einer ausführlichen Bildstrecke das Vorhaben: "Haus und Garten in stärkster Wechselbeziehung zueinander, Stätte intensiven Arbeitens und Ort behaglichen Wohnens, ein Reich der Kinder für sich, freundliche und sonnige Schlafräume, das ist in der Tannenberg-Allee in Berlin-Westend entstanden: - das "Haus Poelzig", erbaut von Marlene Poelzig." Was schon in diesen einleitenden Worten des Artikels deutlich wird, ist die neuartige Verbindung von Arbeitsstätte (beide Ehepartner hatten ihre Ateliers im Haus), die besondere Lage der Kinderzimmer, die sich in den Garten vorschoben und mit Planschbecken und Spielplatz fortsetzten sowie überhaupt die enge Verbindung von Wohnhaus und Garten. Der war von den bekannten Gartenarchitekt*innen Herta Hammerbacher, Karl Foerster und Hermann Mattern gestaltet.

Als Hans Poelzig 1936 starb, führte Marlene Poelzig zunächst das Bauatelier weiter, musste es jedoch schon ein Jahr später auf Druck der NSDAP auflösen. Sie verkaufte das Haus, vermutlich nicht ganz freiwillig, an den NS-Regisseur Veit Harlan und zog nach Hamburg zurück. Schon von ihm wurde das Haus verändert, Ende 1944 erhielt es einen Bombentreffer und blieb bis 1954 als Ruine stehen. Danach kam es in den Besitz der Westfälischen Transport AG, die es umbaute und weiterer Eigentümer. Das Landesdenkmalamt entschied 1987 den Garten nicht unter Schutz zu stellen und 1990 auch nicht das Haus wegen der Umbauten auf die Denkmalliste zu setzen. Ab Mitte der 2010er Jahre wechselten die Besitzverhältnisse häufiger, das Haus stand leer und verfiel zusehends. 2017 wurde der erste Abrissantrag genehmigt, 2020 eine Petition für den Erhalt dieses einzigen bekannten Wohnhauses, das von einer Architektin der Weimarer Zeit entworfen worden war, lanciert. Wieder lehnte das Landesdenkmalamt die Unterschutzstellung ab. Ab November 2021 begann der Abriss. Die Initiative, die sich gegen die Demolierung des Gebäudes gebildet und demonstriert hatte, resumierte: "Wenn es im letzten Jahr einen guten Willen gegeben hätte und der besondere Wert des Hauses gesehen worden wäre, wäre es vermutlich zu retten gewesen; kreative Ideen und konkrete Ansätze gab es zuhauf. Eine Neuaufnahme der Debatte um die Schutzwürdigkeit von Gebäuden als kulturhistorische Substanz und energiereiche Ressource ist in Berlin und darüber hinaus dringend geboten!"

Diese Debatte setzte die Initiative selbst mit verschiedenen Veranstaltungen zu den zukunftsweisenden Aspekten des Werkes von Marlene Poelzig fort und versammelte verschiedene Aufsätze im Buch: Haus Marlene Poelzig, Berlin - Abriss und Aufbruch, das inzwischen mit dem Architectural Book Award 2025 des Deutschen Architekturmuseums und der Frankfurter Buchmesse ausgezeichnet wurde. 

Das Buch wird vorgestellt von Jan Schultheiß von der Initiative Marlene Poelzig

Zeit: Dienstag, 31. März 2026, 18 Uhr

Ort: Denk mal an Berlin e.V., Kantstr. 106, 10627 Berlin

Eintritt kostenlos, um Anmeldung wird gebeten:

mail@denk-mal-an-berlin.de oder Tel.: 030/ 45 08 77 17

Fotos: Zeitschrift Innendekoration, Darmstadt 1931, Heft 8, S. 314-319

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Denk mal an Berlin e.V.
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Geschäftsstelle
Kantstraße 106
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