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Nachrichten & Rückblicke

Elisabeth Ziemer
/ Kategorien: Rückblick

Mit Fontane ins Löwenberger Land

Die von Gartenbaudirektor a.D. Dr. Klaus-Henning von Krosigk und Stephan von Hundelshausen, dem Besitzer von Häsen, geführte Tour überraschte mit drei Gutsensembles, die heute nach Jahrzehnten des Verfalls wieder restauriert sind und unterschiedlich genutzt werden. 

Die Tour fand in schönstem Frühlingswetter statt und startete pünktlich am Fehrbelliner Platz. Im vollbesetzten Bus fand der vorbereitete Reader mit Auszügen aus Fontanes Fünf Schlössern reges Interesse, der wie die einführenden Worte von Krosigks zu den uns erwartenden Zielen die Vorfreude auf einen interessanten Tag steigerte.

Von 1859 bis 1889 durchwanderte Theodor Fontane (1819-1898) die Mark Brandenburg und verwandelte seine Eindrücke und dazu gesammelte Nachrichten und akribisch ausgewertete Dokumente in eine unterhaltsame und bis heute gern gelesene Reiselektüre. Der letzte Band von 1889 "Fünf Schlösser" berührt fünf Herrensitze, von denen wir drei besucht haben: Liebenberg, Hoppenrade und Häsen. Durch die persönlichen Kontakte unseres Kuratoriumsvorsitzenden Klaus von Krosigk, öffneten uns diese drei Schlösser ihre Tore auf besondere Weise - wir haben sie nicht nur besichtigt, sondern trafen dort auch ihre Besitzer und durften bei ihnen zu Gast sein.

Das erste Ziel war bald erreicht: Schloss Liebenberg. Wir versammelten uns am Kaiserbrunnen, so genannt, weil er ein Geschenk von Wilhelm II. an den damaligen Eigentümer, Fürst Philipp zu Eulenburg war. In zwei Gruppen folgte die Führung durch Schloss - z.T. wegen der Kriegszerstörungen neu ergänzt - Kirche, Spolienlager und Umgebung. Der heutige Eigentümer des gesamten Baubestandes und Parks ist die DKB-Stiftung. Mit Hotel und Veranstaltungsräumen ist das Hauptgebäude auf Firmenevents ausgerichtet, das Restaurant ebenfalls nur auf Vorbestellung geöffnet. Auf das nur in drei Kopien existierende (neben dem Original im Nationalmuseum von Neapel befindliche) römische Alexandermosaik ist man besonders stolz und will es zukünftig an repräsentativer Stelle wieder einbauen. Es zeigt in Fayenceplatten (original winzige Mosaiksteine) aber in Originalgrösse die Schlacht Alexanders gegen den Perserkönig Dareius. Das gesamte Ensemble samt Park ist restauriert und entsprechend der Nutzung im Innern elegant modernisiert.

Nach dem Mittagessen, mit dem uns das Haus versorgte, ging es nach Hoppenrade. Hier begrüßte uns die Schloßherrin Gräfin von Hardenberg auf der Freitreppe des inzwischen vollständig sanierten Drei-Flügel-Baus sowie der langjährige Pfarrer der im rechten Flügel untergebrachten Schlosskapelle, Gerhard Gabriel. Er ist heute pensioniert, erzählte aber mit so grossem Engagement und Feuer von seiner Berufszeit im Kirchenkreis Oberes Havelland, dass sich viele Zuhörer*innen mehr solcher Pastoren heute auf ihren Kanzeln wünschten. Gabriel war 1980-2015 Pastor der evangelischen Kirche und konnte viel Interessantes aus der Zeit der DDR erzählen. Aus einer Familie von Pastoren stammend, die diktatorischen Systemen widerstanden (sein Grovater war Mitglied der Bekennenden Kirche und Häftling in Dachau), war er selbst wie auch seine Schwester Mitglied des Neuen Forums und damit der Opposition in der DDR. Das Innere der Kirche ist schlicht restauriert, original nur noch der eindrückliche Kanzelaltar von 1724 erhalten. Auf ihm stand das Bild jener Hausherrin, auf deren Spuren sich Fontane so eingehend begeben hatte: Luise Charlotte Henriette von Kraut - die berühmte Krautentochter. Sie hatte um 1800 den Mittelbau von Hoppenrade zweigeschossig mit Portalrisalit, Balkon, Attika und Walmdach aufstocken und an der Gartenfassade einen Mittelrisalit anbringen lassen mit flankierenden ionischen Pilastern, denn der benachbarte Hof des Prinzen Heinrich war häufiger zu Gast und sie wollte entsprechend repräsentieren.

Nach diesem interessanten Gespräch ging es nach Häsen. Stephan von Hundelshausen, der uns schon in Liebenberg begrüßt hatte, empfing uns hier als Hausherr. Das nach Kaffee lechzende Publikum wurde reich überrascht mit einer sich biegenden Kaffeetafel voll köstlichster Kuchen, die aus dörflicher Produktion stammten. Wie oft bei diesen Gutshäusern konnte man von der Eingangstür durch das Gebäude in den Garten blicken und dahin ging es denn auch erstmal an Tische und Bänke zum Geniessen der wunderbaren Erzeugnisse. Was beim Blick ins Grüne sofort auffiel, war das Flatterband, was einen Teil des Grünareals abtrennte. Das war kein Schutz vor unbefugten Betretens, sondern Ergebnis der unheilvollen Politik der Treuhand. Sie hatte in Häsen das seit Jahrhunderten zusammenhängende Gutsareal in verschiedene Lose aufgeteilt und verkauft, sodaß dieser Teil des Parks einem anderen Eigentümer gehörte. Auch die umstehenden Scheunen hatten unterschiedliche Käufer gefunden, sodass es bedauerlicherweise kein einheitliches Erscheinungsbild der Gutsanlage gab. Danach fingen die Führungen vom Dach bis zum Erdgeschoss an und von Hundelshausen berichtete über die Herausforderungen, die die Sanierung mit sich gebracht hatten. Heute ist das Haus fertig und bewohnt, Arbeit wartet noch in unmittelbarer Umgebung.

Angeregt von den interessanten Eindrücken und Gesprächen klang der Tag entspannt im Garten von Häsen aus.

 

Foto von Fontane: Zander & Labisch, Wikipedia

Alle übrigen Fotos: ©Elisabeth Ziemer

 

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