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ⓒ Thomas Knoll

Martin-Luther-Gedächtniskirche - saniert

Mit der Reihe "Das Besondere Denkmal" fingen wir im Januar 2008 an, da wir die Öffentlichkeit auf den möglichen Abriss der Martin-Luther-Gedächtniskirche in Berlin-Mariendorf aufmerksam machen wollten.

Vorangegangen war eine zweitägige Tagung am 16. und 17. November 2007, organisiert vom Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und dem Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V. mit Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Denkmalpflege und Kirche. Anlass war ein Interessensbekundungsverfahren der evangelischen Kirche, die für den sanierungsbedürftigen Bau einen Projektträger suchte, dem die Möglichkeit des Ankaufs der Kirche und des Gemeindehauses samt Grundstück in Aussicht gestellt wurde. Abriss nicht ausgeschlossen. Nach einem Gespräch unsererseits mit dem Kirchlichen Bauamt wurde diese Option dann doch aus der Ausschreibung entfernt.

Ein Gutachten des Berliner Forums für Geschichte und Gegenwart hatte die besondere Stellung der ab 1929 geplanten, aber erst 1933-35 realisierten Kirche herausgearbeitet. Während der Baukörper des Architekten und damaligen Leiters des Kirchlichen Bauamtes des Evangelischen Konsistoriums Brandenburg, Curt Steinberg (1880-1960), noch expressionistische Formen zeigt, wurde die Innenausstattung ganz der nationalsozialistischen Ideologie unterworfen. Die Mariendorfer Gemeinde war wie viele der Gemeinden in Berlin, gespalten. Es gab Deutsche Christen, die das NS-System vertraten und es gab Anhänger der Bekennenden Kirche.

Gerade die damaligen Ereignisse, die auch noch heute von der Gemeinde wach gehalten werden, prädestinieren die Martin-Luther-Gedächtniskirche als Dokumentationsort für die Auseinandersetzungen zwischen diesen Lagern. So verhinderte eine Mehrheit in der Gemeinde die Einsetzung eines NS-treuen Pfarrers. Und es gab weitere Widerstandsakte. Jochen Klepper, Theologe, Schriftsteller und Journalist, Autor bedeutender Kirchenlieder, hatte 1931 die verwitwete Jüdin Johanna Stein geheiratet, die zwei Töchter mit in die Ehe brachte. Am 18. Dezember 1938, fünf Wochen nach der Pogromnacht, ließen sich seine Frau und die beiden Töchter von Pfarrer Kurzreiter in der Martin-Luther-Gedächtniskirche taufen, der das Ehepaar anschließend traute. Der Familie brachte dies nur vorübergehend Erleichterung. Mit Zunahme der Drangsalierungen floh die ältere Tochter 1939 über Schweden nach England. Als 1942 die Deportation der jüngeren Tochter drohte, brachten sich Kleppers im Dezember 1942 um.

Die Evangelische Kirche machte mit der angestrebten Aufgabe der Kirche - gegen den Wunsch der Gemeinde - den Eindruck, als wolle sie sich ihrer historischen Verantwortung und Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Erbe entziehen. Die Tagung und die nachfolgende öffentliche Debatte brachte schließlich die Umkehr: Der Turm der Kirche wurde von der Stattbau GmbH als Projektsteuerer zusammen mit der GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH in den Jahren 2009-2014 saniert, die Baukosten von 3,6 Mio. € wurden durch Mittel der Kirche, des Landes Berlin, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Bundes erbracht. Anschließend wurde die Außensanierung des Kirchenschiffs vorgenommen.

Heute wird die Kirche wieder für Gottesdienste und Konzerte genutzt, aber auch in der Erinnerungsarbeit an ihre Geschichte.

Weitere Informationen:

Presseeinladung: Martin-Luther-Gedächtniskirche darf nicht abgerissen werden! (pdf)
Tagungsbericht vom 16./17.11.2007 (pdf)
Interessensbekundungsverfahren (pdf)
Pressemeldung vom 30.1.2008: Der Rettung einen Schritt näher! (pdf)
Internetseite der Ev. Kirchengemeinde Berlin-Mariendorf

In der Presse:

Berliner Morgenpost vom 31.1.2008: Kirche mit Nazi-Symbolik: Abriss verhindert
Tagesspiegel vom 20.4.2008: Mit Luther für den Führer
Tagesspiegel vom 20.5.2008: Nazi-Symbole im Gotteshaus
Tagesspiegel vom 9.10.2009: Martin-Luther-Gedächtniskirche: Vorm Abriss gerettet
Tagesspiegel vom 30.1.2013: Spuren im Stadtbild
Monumente vom August 2013: Heiligenschein und Stahlhelm
Berliner Woche vom 4.8.2015: Weitere 30.000 Euro für die Instandsetzung der Martin-Luther-Gedächtniskirche

Hier finden Sie die Martin-Luther-Gedächtniskirche

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