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ⓒ Thomas Knoll

Grabstätte Blumenthal auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee

Je mehr man über Oscar Blumenthal (1852-1917) erfährt, desto größer ist die Verwunderung, dass er so ganz und gar vergessen scheint.
Studiert hatte der Berliner ab 1870 in Leipzig, wo er 1874 über Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) promovierte, der mit Georg Büchner (1813-1837) zu den Wegbereitern des modernen Dramas gehört. 22 Jahre alt, gab Blumenthal Grabbes Werke und Nachlass heraus. 

Vorher hatte er schon die "Deutsche Dichterhalle" gegründet (1871), in der er bis 1883 aktuelle Schriftsteller und ihre Werke veröffentlichte. Seine in vielen Archiven aufbewahrten Briefwechsel mit Ferdinand Freiliggrath, Gottfried Kinkel, Paul Heyse (erster deutscher Nobelpreisträger für Literatur), Friedrich Theodor Vischer oder Gerhart Hauptmann zeugen von seiner Vernetzung.

1875-1887 nutzte er sein Talent als geistreicher Kritiker für Theater­rezensionen im Berliner Tageblatt, die so scharf waren, dass sie ihm den Spitznamen Der blutige Oscar einbrachten. 1888 eröffnete er sein eigenes, das Lessingtheater, am heutigen Kapelle-Ufer mit Lessings Nathan der Weise. Der pompöse Neorenaissancebau wurde 1945 zerstört.

Es war auch Blumenthal, der Gerhart Hauptmann zu seinem ersten Bühnenerfolg und damit Durchbruch verhalf. 1889 wurde im Lessingtheater sein Drama Vor Sonnenaufgang uraufgeführt. Strindberg, Ibsen, aber auch eigene Stücke von Blumenthal kamen hier erstmalig auf die Bretter.

Das heute noch berühmteste und weltweit erfolgreichste seiner zahllosen Lustspiele ist sicher Im Weißen Rössl. Er schrieb es im Sommerurlaub 1896 in Bad Ischl zusammen mit Gustav Kadelburg, mit dem er auch ansonsten kooperierte. 1930 wurde es von Benatzky umgeschrieben und mit Ohrwürmern u.a. von Robert Gilbert aktualisiert. Unvergessen ist sicher die Aufführung von 1994, Regie Ursli Pfister, mit Toni Pfister, Max Raabe, Otto Sander, Meret Becker, Andreja Schneider u.A. in der Bar jeder Vernunft in Berlin.

Über die klassische Konkurrenz spöttelte Blumenthal:

"Bei Opern macht oft gleichen Kummer
Das Tonwerk wie das Textgedicht:
Die Dichtung reizt die Lust zum Schlummer,
Doch die Musik erlaubt ihn nicht."

Weniger bekannt ist Blumenthal als bedeutender Schachspieler. Er erfand die Schachminiaturen, die mit höchstens 7 Spielsteinen gespielt werden.

Oscar Blumenthal heiratete Marie Francke, beide lebten zuletzt in der Kaiserallee 20, heute Bundesallee, in einem großbürgerlichen Bau von 1909, der dem Krieg zum Opfer fiel. Beide starben kurz hintereinander 1917. Begraben sind sie auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee. Seiner Frau ließ Blumenthal auf den Grabstein gravieren: "Seit Du entschwunden wühlt der Kummer / Mir seine Furchen ins Gesicht / Ich lebe Nächte ohne Schlummer / Ich lebe Tage ohne Licht. / Kein Balsam kühlt die heissen Wunden / Die Zeit geht machtlos drüber hin / Und meine Sehnsucht zählt die Stunden bis ich an Deiner Seite bin." Zwei Monate später folgte er ihr nach.

Die Grabanlage hat durch Krieg und Vandalismus gelitten. Die Fundamente müssen neu aufgebaut werden, Metallverzierungen fehlen, der rote Granit muss gesichert und aufpoliert werden, die Pflanztröge sind zu ersetzen, die Bepflanzung neu einzubringen.

Geschätzte Gesamtkosten: rund 40. 000 €.

Wir danken Ihnen für jede, auch kleine Spende, um die Erinnerung an diesen bedeutenden Vertreter des intellektuellen Berliner Großbürgertums wach zu halten.

Hier finden Sie die Grabstätte Blumenthal

Denk mal an Berlin e.V.
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