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Nachrichten & Rückblicke

Elisabeth Ziemer
/ Kategorien: Rückblick

Führung durch die Hohenzollerngruft

Wir begannen unsere Führung mit Blick auf das kaiserliche Treppenhaus, das besonders reich ausgestattet wurde, da es dem Kaiser - der den Neubau des Domes bei dem Architekten Julius Raschdorff (1823-1914) in Auftrag gegeben hatte - als direkter Zugang zur Tauf- und Traukirche sowie zur Kaiserloge in der Predigtkirche diente. Die Bauzeit reichte von 1894-1905. Im Anschluss gingen wir in die Predigtkirche, wo Sonja Tubbesing einen Überblick über die Baugeschichte und den Wiederaufbau des Doms gab. Bis heute ist der ursprüngliche direkte Zugang zur Grablege der Hohenzollern, der durch die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Denkmalskirche mit einigen Prunksarkophagen führte, nicht wiederhergestellt worden. Sonja Tubbesing befürwortet deren Rekonstruktion, zumal sich noch viele Überreste des Bauschmucks der 1975 abgerissenen Denkmalskirche in Depots befinden. Der heutige Zugang zur Gruft wird durch ein neu erweitertes historisches Treppenhaus gewährleistet.

Abstieg zum Besucherzentrum und zur Gruft
Bevor wir in die Gruft hinabstiegen, erläuterte Frau Tubbesing den neuen Besucherrundgang im Dom: Der Empfang in der Predigtkirche soll die Besuchenden in die würdige Atmosphäre der Kirche einstimmen, bevor sie,  begleitet von einer großformatigen Darstellung eines historischen Trauerzugs, in die Grablege eintreten. Dieser Trauerzug begleitet nicht nur den Besucherstrom, sondern absorbiert auch den durch Gespräche entstehenden Schall, denn die Wände sind mit geräuschdämpfendem Material hinterlegt und unterstützen so die kontemplative Sammlung vor Eintritt in den Vorraum der Grablege.

Beim Betreten dieses Vorraumes fällt ein grosser runder Tisch auf, auf dem kleine Modelle der Särge in der Gruft aufgestellt sind. Sie können über Displays angesteuert und beleuchtet werden, sodaß deren Standorte in der Gruft leichter zu identifizieren sind. Gleichzeitig können hier die Biografien und Stammbäume der Hohenzollern mit Fotos aufgerufen sowie die konservatorischen Berichte eingesehen werden. Dieses interaktive, sehr informative und leicht zu bedienende Modell wurde von der Cornelsen Kulturstiftung finanziert. In diesem Vermittlungsraum der hohenzollernschen Geschichte befinden sich auch aus den Särgen stammende Grabbeigaben und Textilien, die schon früher entnommen worden waren. Bei der jetzigen Sanierungskampagne wurden keine Särge geöffnet. Der Trauerzug, der die Eintretenden im Zugangsflur begleitete, findet sich in einem umfangreichen historischen Band wieder, der das gesamte Hofzeremoniell zu diesem Anlass minutiös beschrieb und in Bildern festhielt. Eine Übersicht über die Typologie der Sarggestaltung vermittelt, welches Material zu welcher Zeit genutzt wurde. Der Vermittlungsraum ist der Gruft bewusst vorgelagert, um eine museale Inszenierung der Särge zu vermeiden. Gleichzeitig sind die Informationen reduziert und gezielt ausgewählt, die Präsentation soll nicht wie eine klassische Ausstellung wirken, sondern eher vorbereitend und einordnend sein.

Bevor wir die Gruft betraten, erläuterte Frau Tubbesing die umfangreichen Baumassnahmen, die neben der Mauerwerkssanierung, eine neue Klimatisierung, eine neue Lichtführung und ein umfassendes Brandschutz- und Evakuierungskonzept notwendig machte, alle elektrischen Anlagen oberhalb des wunderbaren Kreuzgewölbes verbarg und das Besucherzentrum mit allen weiteren notwendigen Einrichtungen wie Garderoben, Schliessfächern, Toilettenanlagen, Museumsshop und Cafeteria zu berücksichtigen hatten.

Die Gruft selbst betraten wir durch das ursprüngliche historische, schön verzierte Eisengitter. Hier stehen die 91 Särge der Hohenzollern, viele davon Kindersärge, von den Besuchenden nur durch schmale Absperrungen getrennt, auf denen Name und Rang verzeichnet sind. Die dezente Lichtführung ist so angeordnet, dass keine Blendungen und Reflexe entstehen und die überraschend unterschiedlich gestalteten Särge trotzdem gut sichtbar sind. Ihre Aufstellung ist so gewählt, dass sie gut von allen Seiten betrachtet werden können. Die Stimmung ist ausserordentlich friedlich und kontemplativ.

Hier konnte nun Jede/r für sich durch die Reihen gehen und die vorher im Display aufgerufenen Personen und Särge wiederfinden. Nach der Besichtigung von Vermittlungsraum und Gruft werden die Besuchenden wieder ins „Weltliche“ entlassen und können anschließend das Dommuseum sowie die Aussichtsplattform besuchen.  

Wir waren uns einig - die Neugestaltung der Hohenzollerngruft durch die Dombauchefin Sonja Tubbesing und ihr Team hat überaus erfolgreich die Balance zwischen historischer Bedeutung der Grablege, würdevoller Totenruhe und musealer Vermittlung hergestellt. Es war für uns alle ein beeindruckendes Erbebnis.

 

Text: Julia Ewald und Elisabeth Ziemer

Fotos: Julia Ewald

 

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