Tag des offenen Denkmals - Jugendprojekt Neukölln
Die Lohmühlenbrücke bekam ihren Namen durch das naheliegende Gelände. Hier gab es im 18. Jahrhundert Mühlen, die gerbstoffreiche Rinde zerkleinerten, um sie für das Gerben von Leder zu nutzen - die Lohe. Die Brücke selbst wurde 1920-21 errichtet. Als 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, verschloss die DDR die Brücke, die über den Neuköllner Schiffahrtskanal führt, denn sie stösst auf eine Ecke der Treptower Seite. Um den Pendlerverkehr zum anderen Neuköllner Ufer weiter zu ermöglichen wurde 1962 der Kiehlsteg 60 Meter entfernt, errichtet. 1988 wurde durch einen Gebietsaustausch der Grenzverlauf so geändert, dass der östlich gelegene Lohmühlenplatz zu Neukölln kam und die Lohmühlenbrücke saniert und wieder geöffnet werden konnte. Der Kiehlsteg wurde trotz Bürgerprotesten 2014 abgerissen.
Die Workshopwoche der Schülerinnen und Schüler aus der Fritz-Karsen-Schule begann mit der Besichtigung der Gedenkstätte Berliner Mauer. Sie sollten die Geschichte Berlins nicht nur anhand von Lehrmaterialien, sondern auch mit eigenen Augen kennenlernen. Hier fanden die Jugendlichen erhaltene Mauerreste und sammelten Eindrücke für die weitere Auseinandersetzung mit der Geschichte der deutschen Teilung.
Am nächsten Tag fand der Ausflug zur Lohmühlenbrücke statt, der noch nicht unter Denkmalschutz stehenden Verbindung zu Treptow, die doch ab Mauerbau eine besondere Bedeutung erhielt. Auf dem nahegelegenen Gelände erhielt die Gruppe den Auftrag, historische Fotos der Brücke aus dem Museumsarchiv zu betrachten und den damaligen Standort des Fotografen zu identifizieren. Auf diese Weise konnten sie den ursprünglichen Verlauf der Berliner Mauer nachvollziehen, eine reizvolle detektivische Suche, die auf großes Interesse stieß.
Im Museum Neukölln vertieften die Jugendlichen ihre gewonnenen Erkenntnisse anhand von Dokumenten aus dem dortigen Archiv. Wie hatten 1961 die Neuköllner auf den Bau der Mauer reagiert? Welche Erlebnisse wurden dokumentiert? Nach allen Recherchen entwickelten die Schüler*innen in Gruppen Plakate, auf denen sie ihre Projektergebnisse für den Tag des offenen Denkmals vorbereiteten.
Wie fanden sie das Projekt? Einige Kommentare dazu hier:
„Ich habe gelernt, dass die Mauer zwar größer ist. Ich dachte vorher, es wäre nur einfach eine ganz leichte Mauer, aber ich wusste nichts von Kontrollpunkten und den Todesstreifen und diesen Wachtürmen.“ August (15)
„Am besten fand ich, dass wir die Berliner Mauer sozusagen selbst nachbauen konnten. Und zwar in ihrer echten Größe, damit wir uns besser vorstellen konnten, wie sie aussah, ob man darüber hinwegschauen konnte und wie schwer es gewesen wäre, darüber zu klettern.“ Mahmud (17)
„Vorher wusste ich nicht genau, was ein Gebietsaustausch ist. Jetzt verstehe ich, warum die Mauer an der Lohmühlenbrücke versetzt wurde, damit die Brücke wieder genutzt werden konnte.“ Liora (15)
„Am interessantesten fand ich die Geschichte über das Wiedersehen von zwei Mädchen. Damals war eine von ihnen in den Westen geflüchtet, wodurch sie getrennt wurden. Erst nach ungefähr 60 Jahren haben sie sich wiedergetroffen.“ Mrisa (15)
„Mir hat am besten gefallen, dass wir selbst herumgehen, gestalten und alles anschauen konnten. Wir haben nicht einfach Aufgaben bekommen, die wir nur abarbeiten oder in einem Buch nachschlagen mussten. Stattdessen konnten wir selbst recherchieren und uns die Orte mit eigenen Augen ansehen, anstatt nur Bilder anzuschauen.“ Timo (15)
„Ich finde es wichtig, dass Schülerinnen und Schüler mehr über die Berliner Mauer erfahren, weil sie für Berlin eine große Bedeutung hat.“ Alessia (15)
„Gerade machen wir Plakate, die wir am Tag des offenen Denkmals auf unsere selbstgemachte Mauer hängen wollen. Anhand der Plakate präsentieren wir den Besucher:innen, was genau vor Ort zur Zeit der Mauer geschehen ist. Isa (16)
Die Arbeiten stellen die Jugendlichen am Sonntag, 13. September um 11 Uhr vor an der Lohmühlenbrücke/Ecke Lohmühlenplatz, 12059 Berlin.
Keine Anmeldung nötig! Die Jugendlichen freuen sich auf Ihren Besuch!
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